Influencer-Marketing und mittelständische Unternehmen – zwei Begriffe, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Mit Influencer-Marketing assoziieren die meisten wahrscheinlich nur den morgendlichen Avocado-Toast, Werbebeiträge für den neusten Fitnesstee oder Rabattcodes für etliche Online-Shops. Natürlich sind das die Dinge, die wir als Konsumenten zu sehen bekommen, aber uns ist wahrscheinlich nicht klar, was für einen Einfluss dieser einfache Avocado-Toast auf uns haben kann und dass Influencer-Marketing für Unternehmen enorm nützlich sein kann. Im Rahmen meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit dem Thema des Influencer-Marketings auseinandergesetzt und die Erfolgsfaktoren, die ein Influencer und ein Unternehmen im Rahmen der Influencer-Marketing-Aktivitäten zu beachten hat, erforscht. Diese Erfolgsfaktoren sollen Ihnen helfen und einen Rahmen bieten, an dem Sie sich orientieren können, wenn Sie diese aufstrebende Marketingform in Ihrem Unternehmen implementieren.

Die Erfolgsfaktoren

1. Zieldefinition

Der erste Faktor klingt simpler als er ist, doch mit der geeigneten Zieldefinition steht und fällt der Erfolg ihrer Influencer-Aktivitäten. Sie haben sich entschieden auch mit einem oder mehreren Influencers zusammenzuarbeiten und wollen jetzt direkt mit der Kooperation starten. Dann muss ich Sie leider enttäuschen, so schnell geht das nämlich nicht. Zuerst müssen die Vorbereitungen getroffen werden und dazu gehört vor allem die Definition der eigenen Ziele. Das bedeutet, dass zum einen die spezifische Zielsetzung und zum anderen die Definition Ihrer Zielgruppe festgelegt werden müssen. Dafür führen Sie vor der Kooperation mit einem Influencer eine ausführliche Analyse des derzeitigen Status Quo durch. In diesem Zusammenhang sollten Sie sich mit folgenden und ähnlichen Fragen beschäftigen: Warum betreiben wir Influencer-Marketing überhaupt? Was wollen wir mit der Kooperation erreichen? Was sind größere Ziele, denen wir mit dieser Kooperation einen Schritt näherkommen? Welche Personengruppen können uns bei der Erreichung unserer Ziele unterstützen? Welche Personen stellen im Allgemeinen unsere Zielgruppe dar?

Haben Sie diese grundsätzlichen Fragen geklärt, wird es Ihnen leichter fallen den entsprechenden Content zu produzieren. Zudem können Sie im Anschluss an die Kooperation das Controlling auf Grundlage der definierten Ziele durchführen. So können Sie die Erwartungen mit den tatsächlichen Ergebnissen direkt abgleichen und als Vorbereitung für zukünftige Kooperationen angepasst und optimiert werden. Auch ist es für Sie sinnvoll diese Grundlagen einmalig unter Einbezug aller Interessengruppen aufzustellen. Diese können und sollten Sie dann für die jeweiligen Kooperationen adaptieren oder angleichen. So sparen Sie sich an dieser Stelle des Prozesses einen enormen Arbeitsaufwand, sodass Sie aufgrund dessen mehr Kapazitäten an anderen Stellen des Prozesses aufwenden können.

2. Markenfit

Auf die Definition der Ziele und der Zielgruppe folgt der nächste essenzielle Erfolgsfaktor: der Markenfit. Im Rahmen Ihrer Influencer-Marketingaktivitäten sollten Sie ein besonderes Augenmerk auf die Auswahl des passenden Influencers für Ihr Unternehmen und für die spezielle Kooperation legen.

Natürlich sollte der Influencer zum einen zu der bereits festgelegten Zieldefinition passen. Das bedeutet, dass der Influencer zum Beispiel eine Reichweite aufweist, mit der Ihre Ziele letztendlich auch erreicht werden können. Diesbezüglich stellt sich dann auch die Frage, ob die Wahl auf eine Micro- oder Macro-Influencer fallen soll. Bei der Kategorisierung von Influencern bestehen weitaus mehr Kategorien als diese Zweiteilung, jedoch können wir es an der Stelle der Einfachheit halber bei diesen beiden Influencer-Arten belassen. Micro-Influencer und Macro-Influencer unterscheiden sich vor allem in der Anzahl ihrer Follower. Während Micro-Influencer bis zu 25.000 Follower haben, werden Influencer mit einer Reichweite von mehr als 25.000 als Macro-Influencer definiert. Dabei fällt zudem auf, dass Micro-Influencer häufig Spezialisten eines Themengebiets sind sowie der Kontakt und Austausch mit ihren Followern intensiver ist. So setzen sich beispielsweise ihre Follower ebenfalls vertieft mit den Inhalten des Influencers auseinander.

Zum anderen muss der Influencer selbstverständlich auch zu Ihrem Unternehmen passen. Sie sollten darauf achten, dass beide Interessensgruppen ähnliche Werte verkörpern und Charakteristika aufweisen. Zum Beispiel sollten Sie im Falle eines hohen Qualitätsanspruches auch einen Influencer wählen, der professionellen und qualitativ hochwertigen Content produziert. Nur so kann eine authentische und erfolgreiche Kooperation zu Stande kommen.

3. Kreativität

Man sollte meinen mit Kreativität haben Sie als Unternehmen nichts zu tun, aber da haben Sie sich leider getäuscht. Der Erfolgsfaktor bezieht sich nämlich nicht allein auf die Produktion und Gestaltung des Contents, die natürlich hauptsächlich und im Optimalfall von dem Influencer übernommen wird, sondern beginnt schon viel früher, und zwar in Ihrem Unternehmen selbst. Hier muss sich schließlich auch jemand überlegen, was es für Kampagnen geben soll und welche Inhalte sie thematisieren sollen. Entwickeln Sie kreative Kampagnen, ist die Chance einen interessanten Influencer für Ihr Influencer-Marketing zu gewinnen, größer, denn Kooperationen gibt es wie Sand am Meer und da muss man schon herausstechen. Außerdem wollen nicht nur die Influencer selbst ihren Followern etwas Neues bieten, sondern auch Sie sollten diesen Anspruch gegenüber Ihrer eigenen Zielgruppe haben.

4. Authentizität

Während meiner Forschung ist eine Aussage wahrscheinlich am häufigsten gefallen: authentisch muss es sein! Ja, klar – nur wie? Authentizität scheint in jeder Interessensgruppe – Unternehmen, Influencer und Kunden – von besonderer Wichtigkeit sein. Kunden stehen der Werbebotschaft positiver und offener gegenüber, wenn der Content zu dem sonstigen Content des Influencers passt und dem Beitrag eine persönliche Note von dem Influencer verliehen wurde. Zudem schätzen Konsumenten besonders den ehrlichen Umgang und das authentische Auftreten des Influencers gegenüber seiner Community. So wird automatisch eine Kundennähe aufgebaut, die einen wesentlichen Einfluss im Kaufprozess nehmen kann. Somit ist es folglich auch für Unternehmen und Influencer von Interesse besonders authentischen Content zu produzieren und verbreiten. Daraus resultiert ein vermehrtes Vertrauen der Kunden in die Influencer. Dies fördert die Möglichkeit des Konsumenten sich mit dem Influencer identifizieren zu können, da dieser besonders natürlich und nahbar erscheint. Dies wiederum verleiht den Aussagen und der Meinung des Influencers eine verstärkte Glaubwürdigkeit, sodass sich die Follower zudem gerne durch Kampagnen im Rahmen des Influencer-Marketings inspirieren lassen.

5. Professionalität

Und last but not least der letzte Erfolgsfaktor: Professionalität. Häufig wird unterschätzt an welchen Ecken und Enden dieser Faktor zum Tragen kommt. Nicht nur während der Kooperation, sondern auch bei der Vorbereitung und Nachbereitung trägt ein professionelles Vorgehen seitens aller Beteiligten erheblich zum erfolgreichen Verlauf der Kooperation bei.  Dieses professionelle Handeln ermöglicht nicht nur einen reibungslosen Ablauf, sondern unterstützt ebenfalls bei dem Umgang mit unvorhergesehenen Herausforderungen. In dem Zusammenhang ist vor allen Dingen ein eigens für die jeweilige Kooperation aufgesetzter Vertrag zu nennen. In diesem werden wichtige Rahmenbedingungen, wie beispielsweise der Zeitraum der Kooperation oder die Leistungen des Influencers festgehalten. Zudem drückt sich Ihre Professionalität darin aus, wie gewissenhaft Sie die Kooperation betreuen und welche Wichtigkeit Sie ihr zuordnen. In gleichen Zusammenhang sollten Sie den Influencer als Person und die Arbeit, die er oder sie für Ihr Unternehmen verrichtet, wertschätzen. Immerhin übernimmt dieser Tätigkeiten, die Ihr Unternehmen fördert und die Sie selbst nicht oder nicht in dem Maße hätten ausüben können. Es ist selbstverständlich, dass diese Wertschätzung Ihnen auch von Seiten des Influencers entgegengebracht werden muss. So entsteht eine professionelle und erfolgreiche Geschäftsbeziehung, von der beide Seiten profitieren können.

Also lassen Sie mich nochmal zusammenfassen: Um erfolgreiches Influencer-Marketing zu betreiben ist es essenziell, dass Sie Ihre Aktivitäten an den fünf Erfolgsfaktoren ausrichten. Dabei sollten Sie vor allem auch darauf achten, dass auch Ihre Kooperationspartner die Faktoren berücksichtigen, denn nur so können die festgesetzten Ziele erreicht werden und beide Interessensgruppen von der Marketingform profitieren. Probieren Sie es aus und wagen Sie sich in die Welt der Influencer.